Tennessee Whiskey

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Nach vielen Irrwegen, die ich bis dahin schon gegangen war, führte mich diese Reise nach Tennessee, USA.

Das Projekt, das ich dort zu bewältigen hatte, begann damit, dass ich dem Projekt zugeteilt wurde, ohne zu wissen, was mich dort erwarten wird. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass kein anderer Mitarbeiter, auch nicht die Erfahrenen unter ihnen, dieses Projekt in Angriff nehmen wollten.

Es waren drei gleiche Maschinen, die teils in Österreich und teils in den USA geplant wurden. Mit mangelndem Wissen, schwierigen Kontakt zu den Mitarbeitern in den USA, auch durch die Zeitverschiebung und Subfirmen, die beteiligt waren, nahm ich mir Zeit ,das Wissen aus dem Äther zu saugen und die Intelligenz der Maschine als Steuerungsprogramm vorzubereiten.

Nachdem ich wusste, dass die US-amerikanischen Unternehmen sehr großen Wert auf Sicherheit legen, versuchte ich auch alle möglichen in Frage kommenden Sensoren in die Sicherheitsfunktionen mit einzubinden.

Der US-amerikanische Projektmanager gab mir einige Informationen zu Sicherheitsmaßnahmen des Unternehmens und so fasste ich noch Sicherheitsschuhe, Warnweste und Helm im Unternehmen aus. Nachdem es scheinbar ein Problem mit Drogensüchtigen in Tennessee gibt, wurde mir mitgeteilt, dass ich einen Drogentest für den Zutritt benötigte.

Ich machte den Test gleich in Österreich, um vor Ort Zeit bei der Inbetriebnahme einsparen zu können.

Nachdem ich alles vorbereitet hatte und der Flug gebucht war, machte ich mich auf die mehrstündige Reise nach Nashville Tennessee.

Müde und in der Nacht nach vielen Stunden am Flughafen Nashville angekommen, ging es zum Mietwagen-Unternehmen, um einen Ami-Schlitten zu leihen. Nachdem sich die Räder auf der Erde unterschiedlich schnell drehen, wartete ich bei drei anderen Interessenten circa eine Stunde bis ich die Ehre hatte vorzusprechen.

Nachdem der Versicherungsteil geklärt war ging es darum, meine Kreditkarte um einige hundert Dollar als Sicherheit zu belasten. Ich zückte sie und siehe da, sie konnte nicht weiter belastet werden, weil ich fünftausend Euro damit überschreiten würde. Ich hatte zuvor Flüge nach und Hotels in China bezahlt.

Nach einem längeren Telefonat mit dem Kreditkartenunternehmen stellte sich heraus, dass es auch die Möglichkeit gibt vor ab Geld auf das Kreditkartenkonto zu buchen, damit man nicht in diese missliche Lage kommt – nach vielen Jahren des Reisens konnte ich noch etwas dazu lernen.

Nachdem ich Gold-Kunde bei dem Mietwagenunternehmen war und auch wahrscheinlich einer der wenigen war, der tausende Euros im Monat auf der Kreditkarte umsetzte, war es zu erwarten, dass es keine Lösung für mein Problem gab und so ging ich still von dannen und überlegte mir, wie ich mitten in der Nacht, als schon alles zugesperrt hatte, bloß in die Tiefen des Staates Tennessee vordringen konnte, um meinen Auftrag zu erfüllen.

Ich wusste, dass der Projektmanager am nächsten Tag auf mich warten würde und hatte schon ein schlechtes Gewissen deswegen.

Der neue Plan war, mir einen Geldautomaten zu suchen, um meinen Bankomatrahmen voll auszuschöpfen. Mit ein paar hundert Dollar in der Tasche ging ich nochmals zum Mietwagen-Unternehmen und fragte, ob auch Bargeld als Sicherheit okay wäre. Nach kurzem Gespräch war klar, dass sie kein Bargeld nehmen durften.

Als letzte Hoffnung, um doch noch in den Süden von Tennessee zu kommen ging ich zum Taxistand, in der Hoffnung, dort einen zuverlässigen Taxifahrer zu finden, der mich zwei Stunden lang in den Süden begleiten würde. Ich gab die Hoffnung nicht auf, auch wenn ich bedenken hatte, dass dieses Unterfangen mehr als erwartet kosten könnte und ich das Geld vielleicht nie mehr sehen würde.

Ich fand mitten in der Nacht noch einen netten Taxifahrer, der eine Weile mit seinem Chef telefoniert hatte, bis es los ging. Ich wusste zwar nicht, was mich erwarten würde, aber meine Naivität begleitete mich immer zuverlässig.

Als es bereits hell war, kam ich im Hotel an, wo mir mitgeteilt wurde, dass sie mich früher erwarteten. Allerdings hätte ich Glück gehabt, denn das Zimmer wäre noch frei. Ich erklärte ihnen, dass sie die Kreditkarte heute nicht mehr belasten könnten, aber dass ich hingegen mit Bargeld ausgestattet wäre. Wie zu erwarten war, waren sie nicht befugt Bargeld anzunehmen und starrten mich ungläubig an. Es wurde mir mitgeteilt, sie könnten mit der Belastung warten.

Endlich im einzigen brauchbaren Hotel in der Gegend angekommen, schlurfte ich fix und fertig durch die schimmligen Gänge in mein Zimmer. Klimaanlagen vertrage ich nicht, also versuchte ich als erstes in dem „mochteligen“ Hotel-Zimmer das Fenster zu öffnen. Leider schlug der Versuch fehl, also lauschte ich weiter den klappernden Geräuschen der Klimaanlage. Dem Projektmanager teilte ich mit, dass er mich erst gegen Mittag abholen soll und so versuchte ich noch ein paar Stunden zu schlafen.

Am nächsten Tag ging es mit dem Projektmanager zum Endkunden. Nachdem klargestellt wurde, dass der Drogentest, den ich in Österreich gemacht hatte, für nichts gut sei, weil nur auf neun Drogen getestet wurde und nicht wie vorgeschrieben auf zwölf, ging es zum Arzt für einen erneuten Test. Nachdem das erledigt war und meine schwarzen Augenringe noch vom Sicherheitspersonal für den Ausweis abgelichtet wurden, durfte ich mich noch von einer längeren Sicherheitsunterweisung berieseln lassen.

Nach erfolgreich absolviertem schriftlichem Test durfte ich endlich die heiligen Hallen des Unternehmens mit Sicherheitsschuhen, Helm, Warnweste und meinem Notebook betreten.

Nicht gerade stolz zeigte mir der Projektmanager die drei Räume der drei Maschinen. Anstatt Maschinen fand ich dort nur Kabelsalat vor und Raum zwei und drei waren geradezu leer.

Ich sah den Projektmanager an und suchte nach einem Wort für diesen Zustand. Scheinbar konnte ich seine Gedanken lesen, denn mir kam ein Wort in den Sinn, das ich zuvor nie verwendet hatte. Ich sagte “it’s a mess”, was man unter anderem als ein „Durcheinander“ übersetzen könnte.

Der ursprüngliche Plan war, dass ich vor Ort mein Programm einspiele, alles durchteste und dann wieder heimfliege. Dieser Plan wurde allerdings durchkreuzt.

Nachdem ich tagelang versucht hatte die Anschlussfehler auszubessern, damit zumindest einige Lämpchen meiner Steuereinheiten grün leuchteten, wurde schön langsam klar, dass ich dort festsitze.

Einmal wäre ich fast gestorben, weil die Elektriker einen Starkstrom-Motor vor der Sicherung angeschlossen hatten, als ich dem Projektmanager in englischer Sprache mitteilte, dass ich hier nicht sterben wolle schmunzelte er nur, als ich später erfahren hatte, dass die Maschinen auf einem ehemaligem Friedhof standen, erklärte sich mir sein schmunzeln, ohne jetzt noch genauer auf meine Tätigkeit eingehen zu wollen.

Der Projektmanager war in einer misslichen Lage, aber er bemühte sich und organisierte auch immer wieder Abendessen mit den Kunden.

Mexikanisches und japanisches Essen wurden dort bevorzugt. Zu Mittag gab es kleine Snacks aus der Firmenkantine.

Wenn ich allein war, versuchte ich mich möglichst ohne fast-food zu versorgen, was mir nicht sehr oft gelang. Ich probierte ein Hühner-Sandwich in einem bekannten “Sandwich-Restaurant”. Leider blieb das Huhn nicht so lange im Körper, wie es schon in der Vitrine lag.

Einmal hatte ich Lust auf Milch. Ich trank an dem Tag so viel, bis mir schlecht wurde, weil der fünf-Liter Kanister nicht in meinen kleinen Kühlschrank passte.

Ich fand bei einem bekannten Supermarkt, neben automatischen Waffen, eine sehr teure Tiefkühl-Mini-Pizza, für die ich mir einen kleinen Backofen besorgte. Die Mini-Pizza wurde dann zu meiner Hauptnahrungsquelle.

Ich war dort der einzige europäische Mensch und hatte ein paar Tage Freizeit, weil die Firma aufgrund von Feiertagen geschlossen hatte.

Um das Heimweh, das ich dort sehr stark verspürte zu überwinden, suchte ich nach Beschäftigungen. Ich besuchte Nashville und holte mir für die unverbrauchten Seiten meiner Western-Gitarre ein Plektron als Andenken. Ich reiste in den Süden, fuhr in den Osten und besuchte zum ersten Mal ein Auto-Kino. Ich nutzte auch das normale Kino und wurde zum Glück immer wieder daran erinnert, dass die Welt doch nicht so groß und die Heimat immer präsent ist.

Im Kino sah ich die Vorschau für den Film “Rush”, im Supermarkt fand ich DVDs mit Arnold Schwarzenegger, die ich mir nach der Arbeit mehrmals ansah und ein Bereichsleiter in der Firma erzählte von seiner Sammel-Leidenschaft für Fahrzeuge aus Europa.

Meine Sehnsucht nach der Heimat wurde durch Country Songs wie “Need You Now” von Lady Antebellum verstärkt, was meiner Meinung nach eines der schönsten jemals geschriebenen und komponierten Lieder ist.

Einmal besuchte ich ein riesiges Waffengeschäft und fand dort neben Maschinengewehren und der österreichischen Glock auch eine Zielscheibe mit einem Murmeltier aufgezeichnet, was mich zum Lachen brachte.

Die Landschaft in Tennessee ist sehr vielfältig. So kam ich auch bei Pferdeställen einer wunderschönen Hügellandschaft und einem Seen-Gebiet vorbei.

Ich besuchte zweimal die Jack Daniels Destillerie, die nur zehn Minuten entfernt lag und war begeistert von dem schönen Anwesen, mit eigener Wasserquelle. Man konnte zusehen, wie die Fässer noch händisch gefertigt und ausgebrannt werden, die dann nur einmal verwendet werden.

Ich konnte mir nicht nehmen lassen, einen echten Single-Barrell von dort mitzunehmen.

Das Wetter ist dort sehr wechselhaft und es kann zu sehr starken Stürmen kommen.

An einem Tag bin ich aufgewacht und es war total finster im Hotelzimmer. Ich dachte, ich hätte den ganzen Tag verschlafen.

Ich ging aus dem Hotel hinaus, sah, dass der Himmel komplett schwarz war und erkannte, dass der Tag gerade erst begonnen hatte, aber ein Wirbelsturm im Anzug war. Dieser Umstand ergab die Gelegenheit mit einem Mitarbeiter der NASA zu sprechen, der in der Gegend war, um ein Flugmodell im Windkanal zu testen.

Wie es in den USA üblich ist bekam ich bei meinen zwei Aufenthalten die Möglichkeit zwei große Autos zu testen, zwei SUV. Ich war von beiden begeistert und genoss es, mit ihnen durch die schöne Landschaft zu cruisen.

Tipps für den Reisenden:

  • Kreditkarte schon vorher „aufladen”
  • Zweite Kreditkarte als Backup
  • Sich vorher gut über das Land und die Gegend informieren: Oft hat man die Gelegenheit nur einmal ein Land kennenzulernen

Eindrücke:

  • Tennessee ist ein sehr schöner Bundesstaat mit vielen Facetten und sehr schöner Landschaft
  • Der Besuch der Jack Daniels Destillerie ist ein Muss, wenn man in der Gegend ist, nicht nur weil man dadurch erfährt, welche bekannten Persönlichkeiten dort Fässer bestellen
  • Tennessee ist groß. Um mit der Vergangenheit der unzähligen Persönlichkeiten, die die Welt verändert haben, wie Aretha Franklin, Elvis Presley, Tina Turner, Quentin Tarantino, Morgan Freeman, Kathy Bates, Justin Timberlake, Megan Fox, und viele mehr in Kontakt zu kommen, braucht es viel Zeit.

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