Tennessee Whiskey

Mai 29 '19

Tennessee Whiskey

Nach vielen
Irrwegen, die ich bis dahin schon gegangen war, führte mich diese Reise nach
Tennessee, USA.

Das Projekt, das
ich dort zu bewältigen hatte, begann damit, dass ich dem Projekt zugeteilt
wurde, ohne zu wissen, was mich dort erwarten wird. Im Nachhinein stellte sich
heraus, dass kein anderer Mitarbeiter, auch nicht die Erfahrenen unter ihnen,
dieses Projekt in Angriff nehmen wollten.

Es waren drei
gleiche Maschinen, die teils in Österreich und teils in den USA geplant wurden.
Mit mangelndem Wissen, schwierigen Kontakt zu den Mitarbeitern in den USA, auch
durch die Zeitverschiebung und Subfirmen, die beteiligt waren, nahm ich mir
Zeit ,das Wissen aus dem Äther zu saugen und die Intelligenz der Maschine als
Steuerungsprogramm vorzubereiten.

Nachdem ich wusste,
dass die US-amerikanischen Unternehmen sehr großen Wert auf Sicherheit legen,
versuchte ich auch alle möglichen in Frage kommenden Sensoren in die Sicherheitsfunktionen
mit einzubinden.

Der US-amerikanische
Projektmanager gab mir einige Informationen zu Sicherheitsmaßnahmen des
Unternehmens und so fasste ich noch Sicherheitsschuhe, Warnweste und Helm im
Unternehmen aus. Nachdem es scheinbar ein Problem mit Drogensüchtigen in
Tennessee gibt, wurde mir mitgeteilt, dass ich einen Drogentest für den Zutritt
benötigte.

Ich machte den Test
gleich in Österreich, um vor Ort Zeit bei der Inbetriebnahme einsparen zu
können.

Nachdem ich alles
vorbereitet hatte und der Flug gebucht war, machte ich mich auf die
mehrstündige Reise nach Nashville Tennessee.

Müde und in der
Nacht nach vielen Stunden am Flughafen Nashville angekommen, ging es zum
Mietwagen-Unternehmen, um einen Ami-Schlitten zu leihen. Nachdem sich die Räder
auf der Erde unterschiedlich schnell drehen, wartete ich bei drei anderen
Interessenten circa eine Stunde bis ich die Ehre hatte vorzusprechen.

Nachdem der
Versicherungsteil geklärt war ging es darum, meine Kreditkarte um einige
hundert Dollar als Sicherheit zu belasten. Ich zückte sie und siehe da, sie
konnte nicht weiter belastet werden, weil ich fünftausend Euro damit
überschreiten würde. Ich hatte zuvor Flüge nach und Hotels in China bezahlt.

Nach einem längeren
Telefonat mit dem Kreditkartenunternehmen stellte sich heraus, dass es auch die
Möglichkeit gibt vor ab Geld auf das Kreditkartenkonto zu buchen, damit man
nicht in diese missliche Lage kommt – nach vielen Jahren des Reisens konnte ich
noch etwas dazu lernen.

Nachdem ich Gold-Kunde
bei dem Mietwagenunternehmen war und auch wahrscheinlich einer der wenigen war,
der tausende Euros im Monat auf der Kreditkarte umsetzte, war es zu erwarten,
dass es keine Lösung für mein Problem gab und so ging ich still von dannen und
überlegte mir, wie ich mitten in der Nacht, als schon alles zugesperrt hatte, bloß
in die Tiefen des Staates Tennessee vordringen konnte, um meinen Auftrag zu
erfüllen.

Ich wusste, dass
der Projektmanager am nächsten Tag auf mich warten würde und hatte schon ein
schlechtes Gewissen deswegen.

Der neue Plan war,
mir einen Geldautomaten zu suchen, um meinen Bankomatrahmen voll auszuschöpfen.
Mit ein paar hundert Dollar in der Tasche ging ich nochmals zum
Mietwagen-Unternehmen und fragte, ob auch Bargeld als Sicherheit okay wäre.
Nach kurzem Gespräch war klar, dass sie kein Bargeld nehmen durften.

Als letzte Hoffnung,
um doch noch in den Süden von Tennessee zu kommen ging ich zum Taxistand, in
der Hoffnung, dort einen zuverlässigen Taxifahrer zu finden, der mich zwei
Stunden lang in den Süden begleiten würde. Ich gab die Hoffnung nicht auf, auch
wenn ich bedenken hatte, dass dieses Unterfangen mehr als erwartet kosten
könnte und ich das Geld vielleicht nie mehr sehen würde.

Ich fand mitten in
der Nacht noch einen netten Taxifahrer, der eine Weile mit seinem Chef
telefoniert hatte, bis es los ging. Ich wusste zwar nicht, was mich erwarten
würde, aber meine Naivität begleitete mich immer zuverlässig.

Als es bereits hell
war, kam ich im Hotel an, wo mir mitgeteilt wurde, dass sie mich früher
erwarteten. Allerdings hätte ich Glück gehabt, denn das Zimmer wäre noch frei.
Ich erklärte ihnen, dass sie die Kreditkarte heute nicht mehr belasten könnten,
aber dass ich hingegen mit Bargeld ausgestattet wäre. Wie zu erwarten war,
waren sie nicht befugt Bargeld anzunehmen und starrten mich ungläubig an. Es
wurde mir mitgeteilt, sie könnten mit der Belastung warten.

Endlich im einzigen
brauchbaren Hotel in der Gegend angekommen, schlurfte ich fix und fertig durch
die schimmligen Gänge in mein Zimmer. Klimaanlagen vertrage ich nicht, also
versuchte ich als erstes in dem „mochteligen“ Hotel-Zimmer das Fenster zu
öffnen. Leider schlug der Versuch fehl, also lauschte ich weiter den
klappernden Geräuschen der Klimaanlage. Dem Projektmanager teilte ich mit, dass
er mich erst gegen Mittag abholen soll und so versuchte ich noch ein paar
Stunden zu schlafen.

Am nächsten Tag
ging es mit dem Projektmanager zum Endkunden. Nachdem klargestellt wurde, dass
der Drogentest, den ich in Österreich gemacht hatte, für nichts gut sei, weil
nur auf neun Drogen getestet wurde und nicht wie vorgeschrieben auf zwölf, ging
es zum Arzt für einen erneuten Test. Nachdem das erledigt war und meine
schwarzen Augenringe noch vom Sicherheitspersonal für den Ausweis abgelichtet
wurden, durfte ich mich noch von einer längeren Sicherheitsunterweisung
berieseln lassen.

Nach erfolgreich
absolviertem schriftlichem Test durfte ich endlich die heiligen Hallen des
Unternehmens mit Sicherheitsschuhen, Helm, Warnweste und meinem Notebook betreten.

Nicht gerade stolz
zeigte mir der Projektmanager die drei Räume der drei Maschinen. Anstatt
Maschinen fand ich dort nur Kabelsalat vor und Raum zwei und drei waren
geradezu leer.

Ich sah den
Projektmanager an und suchte nach einem Wort für diesen Zustand. Scheinbar
konnte ich seine Gedanken lesen, denn mir kam ein Wort in den Sinn, das ich
zuvor nie verwendet hatte. Ich sagte “it’s a mess”, was man unter
anderem als ein „Durcheinander“ übersetzen könnte.

Der ursprüngliche
Plan war, dass ich vor Ort mein Programm einspiele, alles durchteste und dann
wieder heimfliege. Dieser Plan wurde allerdings durchkreuzt.

Nachdem ich
tagelang versucht hatte die Anschlussfehler auszubessern, damit zumindest einige
Lämpchen meiner Steuereinheiten grün leuchteten, wurde schön langsam klar, dass
ich dort festsitze.

Einmal wäre ich
fast gestorben, weil die Elektriker einen Starkstrom-Motor vor der Sicherung
angeschlossen hatten, als ich dem Projektmanager in englischer Sprache
mitteilte, dass ich hier nicht sterben wolle schmunzelte er nur, als ich später
erfahren hatte, dass die Maschinen auf einem ehemaligem Friedhof standen,
erklärte sich mir sein schmunzeln, ohne jetzt noch genauer auf meine Tätigkeit
eingehen zu wollen.

Der Projektmanager
war in einer misslichen Lage, aber er bemühte sich und organisierte auch immer
wieder Abendessen mit den Kunden.

Mexikanisches und
japanisches Essen wurden dort bevorzugt. Zu Mittag gab es kleine Snacks aus der
Firmenkantine.

Wenn ich allein war,
versuchte ich mich möglichst ohne fast-food zu versorgen, was mir nicht sehr
oft gelang. Ich probierte ein Hühner-Sandwich in einem bekannten
“Sandwich-Restaurant”. Leider blieb das Huhn nicht so lange im
Körper, wie es schon in der Vitrine lag.

Einmal hatte ich
Lust auf Milch. Ich trank an dem Tag so viel, bis mir schlecht wurde, weil der fünf-Liter
Kanister nicht in meinen kleinen Kühlschrank passte.

Ich fand bei einem
bekannten Supermarkt, neben automatischen Waffen, eine sehr teure
Tiefkühl-Mini-Pizza, für die ich mir einen kleinen Backofen besorgte. Die
Mini-Pizza wurde dann zu meiner Hauptnahrungsquelle.

Ich war dort der
einzige europäische Mensch und hatte ein paar Tage Freizeit, weil die Firma
aufgrund von Feiertagen geschlossen hatte.

Um das Heimweh, das
ich dort sehr stark verspürte zu überwinden, suchte ich nach Beschäftigungen.
Ich besuchte Nashville und holte mir für die unverbrauchten Seiten meiner
Western-Gitarre ein Plektron als Andenken. Ich reiste in den Süden, fuhr in den
Osten und besuchte zum ersten Mal ein Auto-Kino. Ich nutzte auch das normale
Kino und wurde zum Glück immer wieder daran erinnert, dass die Welt doch nicht
so groß und die Heimat immer präsent ist.

Im Kino sah ich die
Vorschau für den Film “Rush”, im Supermarkt fand ich DVDs mit Arnold
Schwarzenegger, die ich mir nach der Arbeit mehrmals ansah und ein
Bereichsleiter in der Firma erzählte von seiner Sammel-Leidenschaft für Fahrzeuge
aus Europa.

Meine Sehnsucht
nach der Heimat wurde durch Country Songs wie “Need You Now” von Lady
Antebellum verstärkt, was meiner Meinung nach eines der schönsten jemals
geschriebenen und komponierten Lieder ist.

Einmal besuchte ich
ein riesiges Waffengeschäft und fand dort neben Maschinengewehren und der
österreichischen Glock auch eine Zielscheibe mit einem Murmeltier
aufgezeichnet, was mich zum Lachen brachte.

Die Landschaft in
Tennessee ist sehr vielfältig. So kam ich auch bei Pferdeställen einer
wunderschönen Hügellandschaft und einem Seen-Gebiet vorbei.

Ich besuchte
zweimal die Jack Daniels Destillerie, die nur zehn Minuten entfernt lag und war
begeistert von dem schönen Anwesen, mit eigener Wasserquelle. Man konnte
zusehen, wie die Fässer noch händisch gefertigt und ausgebrannt werden, die dann
nur einmal verwendet werden.

Ich konnte mir
nicht nehmen lassen, einen echten Single-Barrell von dort mitzunehmen.

Das Wetter ist dort
sehr wechselhaft und es kann zu sehr starken Stürmen kommen.

An einem Tag bin
ich aufgewacht und es war total finster im Hotelzimmer. Ich dachte, ich hätte
den ganzen Tag verschlafen.

Ich ging aus dem
Hotel hinaus, sah, dass der Himmel komplett schwarz war und erkannte, dass der
Tag gerade erst begonnen hatte, aber ein Wirbelsturm im Anzug war. Dieser
Umstand ergab die Gelegenheit mit einem Mitarbeiter der NASA zu sprechen, der
in der Gegend war, um ein Flugmodell im Windkanal zu testen.

Wie es in den USA
üblich ist bekam ich bei meinen zwei Aufenthalten die Möglichkeit zwei große
Autos zu testen, zwei SUV. Ich war von beiden begeistert und genoss es, mit
ihnen durch die schöne Landschaft zu cruisen.

Tipps für den
Reisenden:

  • Kreditkarte schon vorher „aufladen”
  • Zweite Kreditkarte als Backup
  • Sich vorher gut über das Land und die Gegend informieren: Oft hat man die Gelegenheit nur einmal ein Land kennenzulernen

Eindrücke:

  • Tennessee ist ein sehr schöner Bundesstaat mit vielen Facetten und sehr schöner Landschaft
  • Der Besuch der Jack Daniels Destillerie ist ein Muss, wenn man in der Gegend ist, nicht nur weil man dadurch erfährt, welche bekannten Persönlichkeiten dort Fässer bestellen
  • Tennessee ist groß. Um mit der Vergangenheit der unzähligen Persönlichkeiten, die die Welt verändert haben, wie Aretha Franklin, Elvis Presley, Tina Turner, Quentin Tarantino, Morgan Freeman, Kathy Bates, Justin Timberlake, Megan Fox, und viele mehr in Kontakt zu kommen, braucht es viel Zeit.

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