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Die fetten Jahre und die verlorene Seele

Jun 10 '19

Die fetten Jahre und die verlorene Seele

In meinem zwanzigsten
Lebensjahr war ich bereits bei sechs Inbetriebnahmen von technischen Anlagen
beteiligt. Danach ging es Schlag auf Schlag. Ich reiste um die Welt, um
Maschinen in Gang zu bringen, die dem Menschen dienen sollten, die
Geschwindigkeit des Menschen zu erhöhen, wie es Nikola Tesla auszudrücken
vermochte. Als Nebeneffekt wurde schwere körperliche Arbeit des Menschen durch
die Kraft der Maschinen vermieden. Leider verloren dadurch auch viele Menschen
ihre Arbeit und es wurden oft nur Arbeitsplätze für Techniker, die die
Maschinen am Leben halten, generiert.

Nach diesen Jahren
verfügte ich über sehr viel Potenzial, in Form von Zahlen auf meinem Konto. Als
meine Mutter zur Bank ging, um für mich etwas zu erledigen, wurde sie vom
Bankangestellten gefragt, was ich beruflich machte, weil ich so viel verdiente.
Er meinte, er würde sofort seinen Job hinschmeißen und das Gleiche tun. Sowohl
zur damaligen Zeit sowie heute ist es für “normale” Menschen schwer
möglich Schilling-Millionär zu werden.

Mein Konto war nach ein
paar Jahren so ausgestattet, weil ich dreimal so viele Stunden gearbeitet
hatte, als der Durchschnittsbürger und nachdem die Zeit vor Ort begrenzt war,
waren es auch Stunden, die genutzt werden mussten.

Nachdem man das Leben nur
schwer auspressen kann, hatte diese Zeit auch ihre Auswirkungen. Körper, Geist
und Seele waren in keinem guten Zustand. Der Körper bekam sehr oft nur, wenn
überhaupt, einmal am Tag zu Essen. Stress verursachte eine Übersäuerung des
Körpers und durch die vielen Flüge, veränderte Klimaverhältnisse an den
verschiedenen Orten, Lärm, Klimaanlagen, verunreinigte Luft, atmosphärische
Strahlung, Strahlung durch Sender, Schmutz, schlechtes, verdorbenes,
unverträgliches Essen, fremde Keime und viele Krankheiten, die durch die vielen
Menschen beim Reisen übertragen wurden, hatte mein Körper einiges zu tun. Der
Geist litt an der Tatsache, dass viele technische Probleme nie gelöst wurden,
aber ich immer wieder damit konfrontiert wurde. Meist kamen neue Probleme
hinzu, auf die ich keinen Einfluss hatte.

Mein Geist war schwarz
wie meine Augenringe, weil ich nie auf ihn gehört hatte und mich immer über
meine Grenzen hinwegbewegt hatte. Die negativen Emotionen, die ich aufgenommen hatte,
wurden nie befreit. Im Nachhinein wurde mir auch klar, warum ich teilweise gesehen
hatte, wie Menschen Zeichen in die Luft gemacht hatten. Sie versuchten sich vor
dem “bösen” Blick zu schützen, den ich manchmal aussendete.

Aus diesen Gründen
investierte ich nach einer Art Memento Mori viel Geld um Körper, Geist und
Seele wieder zu reparieren. Leider geht das nicht so leicht, wie bei den
meisten Maschinen, aber ich bin der Meinung, dass man sich als Mensch ändern
kann, auch wenn das bisher nur sieben Menschen geschafft haben.

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